Leben in England

Babysitter finden, wenn man im Ausland lebt

Vor einiger Zeit habe ich in einer Story auf Instragram meine Follower gebeten mir Fragen zu stellen, die ich in einem Blogbeitrag beantworten kann. Eine Frage wurde dabei immer wieder gestellt: Wie bekommt ihr eigentlich mal Zeit für euch, wenn die Familie nicht da ist um babyzusitten. Die Antwort möchte ich euch natürlich nicht schuldig bleiben.

Die kurze Version: Wir bezahlen einen Babysitter. Das ist natürlich kein leichtes Unterfangen: Jemandem zu finden, dem man das Wertvollste im Leben anvertraut, das man hat.

Wir haben recht früh damit begonnen. Die Madame war gerade mal vier Monate alt, als wir anfingen Leute zu interviewen. Überzeugt hat uns Ebonee. Sie arbeitete im Nachbarort in einem Kindergarten und hatte daher viel Erfahrung. Mit vier Monaten war das noch ein sehr leichter Job. Denn wir brachten die Maus ins Bett und wir wollten nur jemanden, der auf der Couch saß und Netflix durchstöberte, bis wir wieder zu Hause waren. Dafür berappten wir stolze 10 Pfund die Stunde. Ich brauche wohl nicht betonen, dass wir das nicht lange gemacht haben und es uns schade um das Geld war. Wir hätten gerne 10 Pfund die Stunde bezahlt, wenn der Babysitter etwas zu tun gehabt hätte. Aber nur zum Fernsehen war das einfach zu viel.

Danach bot unsere Tagesmutter an, am Wochenende gelegentlich mal auf die Madame zu schauen. Einmal blieb sie daher nach einem Tag mit ihr über Nacht und wir holten sie am nächsten Tag gleich nach dem Frühstück ab. Das war die längste Nacht meines Lebens. Mein Kind war nicht in seinem Bett! Ich fand kaum eine Minute Schlaf und stand um punkt acht Uhr bei der Tagesmutter vor der Tür. “She’s fine!” antwortete diese ganz ruhig. Ja, die Kleine mag “fine” sein, aber ich war auf dem Häuschen.

Nach etwa zwei bis drei Date Nights und die Madame mit der Tagesmutter erklärte diese, dass es ihr zu viel wäre. Sie bräuchte die kinderlose Zeit und ich hatte vollstes Verständnis. Wir waren also wieder bei Punkt Null angekommen.

Bis jemand in der lokalen Facebook Gruppe postete, dass sie einen Job suche und viel Erfahrung im babysitten hätte. Wir lernten also Faye (16 Jahre) und ihre Mama kennen. Faye verlangte für ihre Dienste 5 Pfund die Stunde. Ein Schnäppchen nach Ebonee. Dieses Mal musste der Babysitter auch tatsächlich etwas tun, denn mit der immer später werdenden Gute-Nacht-Routine waren wir aus der Tür, bevor die Kleine im Bett war. Das kam bei selbiger nicht gut an. Nach dem zweiten Mal trafen wir Faye am Spielplatz – völlig zufällig. Die Stimmung meiner Tochter änderte sich schlagartig. Sie machte ein finsteres Gesicht, schüttelte heftigst den Kopf und klammerte sich an ihren Papa. Gut, dieser Babysitter war dann auch Geschichte. Noch dazu, weil wir nach Nantwich gezogen sind.

Hier mussten wir sehr schnell einen neuen Babysitter finden, da wir Tickets für eine Comedy Night hatten. Der Druck war groß, doch eine Bekannte empfahl mir Katie. Katie war Mitte 20 und gerade in der Ausbildung zur Sonderschulpädagogin. Sie war 2 Jahre als Aupair in Amerika und hatte als Teenager viele Babysitter-Jobs. Nach dem Erlebnis mit Faye war ich sehr ängstlich, ob mein Kind je einen Babysitter akzeptieren würde. Und zugegeben, von dem Moment, als sie zur Tür hereinkam, war meine Maus skeptisch. “Was will die da? Wieso hat die kein Kind mit?” – so auf die Art.

Als wir den ersten Abend planten, fing ich beim Frühstück schon an, mein Kind vorzubereiten. “Heute Abend kommt Katie. Die passt auf dich auf, während Papa und ich fortgehen. Wir kommen dann später wieder.” – “Katie, jaaaaa” war die Antwort und ich wusste: Die hat nix verstanden. Also wiederholte ich meine Worte immer wieder, wie ein Gebet, den ganzen Tag, in der Hoffnung, mein Kind würde die Umstände am Abend akzeptieren.

Als es an der Tür klingelte, sagte ich zu ihr: “Das wird Katie sein.” und sie erneut: “Katie, jaaaaaaa!” Hoffentlich geht das gut, schoss es mir durch den Kopf. Ich öffnete die Tür und Katie wurde wie eine alte Freundin begrüßt. Dann kam der kritische Moment.

“Mausi, Mama und Papa gehen jetzt.” und da war er wieder – der Blick. “Are you going to show me all your toys?”, fragte Katie ganz schnell. “Jaaaa, tooooysss!”, jubelte meine Kleine und ich wusste: Das Ding ist geritzt! Schnell holten wir uns noch ein Abschiedsbussi und schon waren wir aus der Tür.

Später bestätigte Katie uns noch, wann die Misses im Bett war und danach konnte ich den Abend in vollen Zügen genießen. Katie darf gerne wiederkommen – hoffe ich LOL. Bis zum nächsten Mal sind es nämlich noch einige Wochen und ich hoffe, dass der positive Eindruck bis dahin bleibt.

Einen bezahlten Babysitter zu haben ist bestimmt in finanzieller Hinsicht eine zusätzliche Belastung, doch in jeder anderen, finde ich, eine Befreiung. “Wir haben auch einen bezahlten Babysitter. Das ist viel einfacher als mit den Großeltern”, erzählte mir vor kurzem eine Freundin, die sehr wohl ihre Verwandtschaft um sich hat. Denn mit Katie mache ich die Ansagen. Wenn mir etwas nicht passt, was sie tut, kann ich es ihr einfach sagen. Denn ich bezahle sie immerhin dafür, auf mein Kind aufzupassen. Da darf ich auch erwarten, dass sie das nach meinen Vorstellungen tut.

Mit der Verwandtschaft, die einem einen wirklich lieb gemeinten Gefallen tut, ist diese Offenheit schwierig. “Mein Gott, wir haben das immer so gemacht” oder “Du bist ja auch groß geworden” sind typische Antworten, wenn man als Elternteil es wagt zu kritisieren. Wer, so wie ich, in Elternforen surft, kennt die Problematik. Auf der einen Seite ist man dankbar, dass einem der Nachwuchs für ein paar Stunden oder sogar Tage abgenommen wird, auf der anderen Seite will man seinen elterlichen Prinzipien treu bleiben. Unzählige Postings a la “Helft mir mal, was soll ich sagen” schwirren da herum. Ein Problem, dem ich mich nicht stellen muss.

Nachdem wir bislang so gute Erfahrungen mit bezahlten Babysittern gemacht haben (lassen wir Faye mal außen vor. Sie und die Madame waren sich einfach nicht grün), würde ich es auch in Zukunft nicht anders machen wollen, selbst wenn wir eines Tages wieder näher an der Verwandtschaft wohnten. Denn mir ist völlig egal, wieviele Kinder andere großgezogen haben, dieses ist meines und da mache ich die Ansagen.

 

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