Leben in England, Reisen

Athen – Eine Stadt mit nicht enden wollender Geschichte

Zum dritten (vierten) Mal findet der jährliche Mädelstrip mit meiner besten Freundin Olivia statt. Dieses Jahr treffen wir uns in Athen. Fünf Tage in der griechischen Hauptstadt waren voller Abenteuer und neuer Eindrücke.

Athen – die Anreise

Mein Flug ging kurz nach Mitternacht mit Aegean Airlines von Manchester nach Athen. Ich kann diese Reisezeit nur empfehlen, wer alleine als Erwachsener reist. Der Security-Check dauerte keine fünf Minuten. Alle Personen am Flughafen waren Passagiere des gleichen Flugs oder Flughafenangstellte. So entspannt bin ich noch nie gereist. Ich war so entspannt, dass ich eigentlich meinen Pyjama anhatte. In meiner Reisetasche hatte ich alles parat, was ich für einen guten Schlaf brauchen konnte: Schlafmaske, Kopfhörer, dicke Socken und sogar eine Decke.

Im Flieger saß ich zwischen zwei Businessmännern: Anzug, Lederschuhe und festverwachsen mit ihren Smartphones – ganz wichtige Leute also. Die staunten nicht schlecht, als ich mein Betthupferl im Flugzeug breit machte.

Doch ich hatte die Rechnung ohne die Fluggesellschaft gemacht. Denn kaum war ich auf dem Weg ins Land der Träume, roch ich Spaghetti Bolognese. Wer bitte isst SpagBol um 3 Uhr morgens? Na gut, ich wurde so erzogen. Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Also mampfte ich doch meine Nudeln und steckte mit den Schokoladenkeks für später ein. Verschenkt wird bei uns nichts.

Ankunft am Flughafen Athen

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Ich muss doch eingedöst sein, denn in Nullkommanichts war ich auch schon am Flughafen Athen. Klar erkennbar an der Verwendung eines Alphabets, das mir nichts sagte. Ich rannte wie eine Irre auf und ab, bis ich endlich verzweifelt jemanden fragte, wo denn die Metro sei. Ich wurde zu einem Aufzug geschickt, doch im Grunde waren da drei verschiedene Aufzüge und jeder führte wo anders hin. Ich zückte also mein Handy und schrieb meiner Besten “Kann noch dauern. Muss Lift fahren.” Sie war schon am Vorabend angekommen und wartete auf mich.

Doch das Herumirren hatte ein Ende und ich fand die Metro und schon war ich auf dem Weg in die Stadt mit ihren nicht enden wollenden Geschichten.

Athen – nichts für Lärmsensible

Athen ist eine südländische Stadt. Auf dem Weg zur Gepäckaufbewahrung bahnten wir uns den Weg durch die Menschen- und Automassen – hier eine homogene Masse. Ampeln sind mehr als Empfehlung zu betrachten. Das wurde auch deutlich, als meine Beste darauf bestand, nicht bei rot über die Straße zu gehen, als eigentlich kein Auto kam, sondern auf grün wartete und dann vor ein heranrasendes rotes Auto sprang. Denn sie hatte ja grün. Genauso schnell sprang sie aber auch wieder zurück.

Andere Länder – andere Tischkultur

Nachdem unser Gepäck verstaut war, fanden wir eine geniale Restaurantgasse, die sich über die Treppen hinauf zur Acropolis verteilte. Wir entschieden uns für eine Taverne mit einem sehr ansprechenden Kellner. Als er uns die Speisekarte gab, klopfte ich meiner Besten auf die Finger. “Nicht lesen!” Denn in meinem Reiseführer stand, dass Griechen keine Speisekarte lesen. Man lässt sich vom Kellner eine Empfehlung bringen. Und ich habe meine 14€ nicht in den Reiseführer investiert, um mich dann nicht an seine Tipps zu halten. Die Beste war offen für das Experiment. Als der Kellner also zurück kam, fragte ich ihn “Was können Sie denn empfehlen?” und da huschte ein Lächeln über seine Lippen (sehr nett anzusehen!) und er holte zu einem Redeschwall aus “Also, meine Damen, ich kann euch einen ganz tollen griechischen Salat zusammenstellen und dann eine Grillplatte für zwei.” Klang ganz nach meinem Geschmack. Dazu ein großes Glas Hauswein und schon war der Start in den Urlaub geritzt. Besonderes Herzflattern bekam ich, als die Rechnung mit zwei Gläsern Ouzo serviert wurde: 36€ – INSGESAMT! Für zwei Getränke, zwei Vorspeisen, Grillplatte für zwei und Dessert mit Ouzo auf’s Haus. Ich hörte meinen Sparfuchs zu Hause am Tisch steppen.

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Grillplatte für zwei Personen

Nach fünf Tagen auf Empfehlung essen, kam es dann doch vor, dass wir in einer Tapas-Bar endeten, in der der Kellner wenig zu “empfehlen” hatte. “Der hat wohl deinen Reiseführer nicht gelesen”, meinte meine Beste nur trocken.

Griechen und die Liebe

Bevor hier gleich ein Aufschrei losgeht: Ich bin eine verheiratete Frau! Mein Bericht bezieht sich ausschließlich auf Beobachtungen! So, damit das klar ist. Doch selbst mit wenig Beobachtungsgabe konnte einem nicht entgehen, dass griechische Männer Frauen auf Händen tragen – zumindest in der Honeymoon-Phase. Unser airBnB-Host Michail war da keine Ausnahme. Er brachte uns Frühstück und Schokolade, versorgte uns mit Tipps und schickte meiner Besten auf Whatsapp dauernd Herzen. Sogar als sie den Stoppel aus dem Badezimmerwaschbecken nicht mehr rausbrachte und er extra kam (mit Frühstück!) und ihn herauszog. Er traf uns im Cafe gleich neben der Wohnung und als er ging, kam die Kellnerin zu uns und räusperte sich: “Ähm, Entschuldigung, aber Michail möchte euch auf zwei Smoothies einladen. Ihr könnt euch aussuchen, was ihr wollt.” Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch so kamen wir auch ins Gespräch mit der Kellnerin – über die Männer natürlich. “Griechische Männer reden viiiieeeel!”, betonte sie. “Ist doch schön, oder?”, fragte meine Beste. “Are you kiddin’ me?” war ihre Antwort. Ich vermute mal, nein.

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Michail versorgte uns mit Frühstück

Athen gehört für mich zu den romantischsten Städten überhaupt. Egal welche Tages- oder Nachtzeit, man trifft hinter jedem Strauch und unter jedem Baum ein schmusendes Paar. Ganz arg zur Sache ging es am Areos Pagos, einer Steinformation gegenüber der Akropolis. Von hier genießt man einen genialen Blick auf das Parthenon und die gesamte Stadt. Doch das wahre Highlight war für uns – während wir unsere Souflakis mampften – die Menschen im Dunkeln zu erahnen. Wir hörten verschiedene Sprachen, junge Menschen machten Party, tranken und etwas abseits die schmusenden Paare und noch weiter abseits … will ich gar nicht wissen! Ich bin eine Mama! Doch bei der Gelegenheit erzählte ich meiner Besten von der Jeremy Vine Sendung, in der es um Dogging ging. Wer den Begriff nicht kennt: In der Szene bekannte Spanner-Plätze, wo sich Menschen treffen, die sich mit Unbekannten vernügen wollen bzw. dabei zuschauen. Jeremy Vine hatte es mit wütenden Hausbesitzern zu tun, die neben solchen Plätzen wohnen. Eeeeegal, zurück zu Athen und unserer eigenen Dogging Geschichte.

“Griechen sind Ohrenbeißer” stellte meine Beste einmal fest. “Da muss ich in Zukunft wohl besser auf meine Ohrenhygiene achten.” Dabei handelte es sich aber nicht um ein sanftes Knabbern. Die fügten sich da gegenseitig richige Bisswunden zu.

Die Akropolis

Wer fünf Tage in Athen verbringt, fotografiert die Akropolis von allen nur möglichen Blickwinkeln: Akropolis bei Nacht, Akropolis bei Tag, Akropolis von unten, Akropolis von oben usw. Denn sie thront so majestätisch über der Stadt, dass man sie immer und überall sieht. Mir diente sie auch als Orientierungshilfe. Wir erklommen immer wieder neue Hügel um eine neue Perspektive zu bekommen. Sehr zum Leidwesen meiner Besten, die zwar mit marschieren überhaupt kein Problem hat, solange alles eben ist. “Ist dir klar, dass sich bei jedem Aufstieg der Aufwand meistens sowieso nicht lohnt?” meckerte sie. Ich ließ das unkommentiert und scheuchte sie weiter nach oben, während sie sich über die Polterreise einer Freundin von ihr beschwerte, die ein ganzes Wochenende lang nur wandern gehen wollte. Oben angekommen musste sie aber zugeben, dass es den Aufwand schon Wert war. Geht doch!

Athen – das Shopping Eldorado

Shoppen war schon lange nicht mehr so voller Atmosphäre wie in Athen. Wir schlengelten uns durch enge Gassen, in denen es noch immer die selben Lederwarenverkäufer gab wie wahrscheinlich schon vor 25 Jahren. Doch dazwischen fanden sich auch hippe Läden mit griechischen Marken. Naturphaser, Recycling – alles Begriffe, die in Athen gerade Trend sind. Ich betrat also den Laden “La Stampa” – alles zu 100% Griechisch wird hier geworben. Im -50% Bereich fand ich ein tolles Kleid – meine Größe. Ich zog es an und präsentierte es meiner Besten. “Na ja, ok.” rümpfte sie die Nase. “Ich nehm es!” sagte ich zur Verkäuferin. Dazu muss man wissen, dass meine Beste und ich und weder beim Shoppen noch bei den Männern in die Quere kommen. Auch zweiteres bestätigte sich bei der Reise wieder mehrmals. Ich sah einen feschen Polizisten – groß, dunkel, schlank – tippte sie an und sagte: “Schau!” und sie nur: “Du hast echt einen Typ!”
Also Einigkeit dürfen wir von einander nicht erwarten. Das galt auch, als sie in einem Lederwarengeschäft einen schwarzen Rucksack fand und ihn mir Freude strahlend zeigte. Ich verzog nur das Gesicht. “Du glaubst doch nicht, dass das Leder echt ist. oder?” Leider verstand mich der Verkäufer und scheuchte uns gleich weiter rein in den Laden. Dort kam er mit dem typischen Feuerzeug-Trick. “Alles echt! Den Rucksack haben Sie viele Jahre!” Ich grinste gequält. “Was kostet der?” fragte meine Beste gleich gierig. “Eigentlich 120€ aber weil Sie so strahlen und lachen für Sie 80€.” In mir verkrampfte sich alles und ich zog meine Kappe tiefer in mein Gesicht, während meine Beste ihre Kreditkarte zückte. Nicht einmal verhandeln wollte sie.

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Neue Handtasche der Marke Montado – 100% recycletes Kork-Material

Athen – das Fazit

Nach fünf Tagen freute ich mich aber auch wieder auf zu Hause. Wir hatten sogar Zeit für einen Strandtag, da wir beide nicht wirklich die Museumsgänger sind. Zum Glück sind wir uns da wenigstens einig.

Athen ist eine Stadt, in die man sich auf den zweiten oder dritten Blick verliebt. Gerade abends, wenn man in einem Lokal sitzt und die Musikanten durchziehen, verfällt man dem griechischen Lebensgefühl. Und ja, die Männer sind wirklich freundlich und lächeln einen immer an. Meine Beste blieb einen Tag länger als ich in Athen und schickte mir eine Stunde, nachdem wir uns verabschiedet hatten, schon ein Foto von einer Telefonnummer, die ihr gegeben wurde. “Putz dir die Ohren!”, war mein erster Gedanke.

Unser gemeinsames Fazit aus fünf Tagen Athen lautet also: “Es g’heart mehr g’schmust!”

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